Mittwoch, 11. Dezember 2013

Graduation

Hier in Bolivien ist ja alles verkehrt. Weihnachten haben sie im Sommer, Schnee fällt [wenn überhaupt] im Juli und die Schule endet eben jetzt. Und wenn man die Schule beendet hat, diese 12-13 Jahre pure Folter, schreit das geradezu nach einer Party.
Aber vorher kommen die letzte bitteren Pflichten. Ein letztes Mal zwängt man sich hier in seine Schuluniform, die so sauber und ordentlich ist, wie noch nie zuvor. Ein letztes Mal geht man in die Schule und hört sich brav die Instruktionen der Lehrer an. An einer Schule, die sich Inglés Católico [Englisch-Katholisch] schimpft wird das ganze natürlich mit einem Abschlussgottesdienst abgesegnet. Wenn man so viel spanisch versteht wie ich und dazu noch dieses überschäumende Interesse an Gottesdiensten zeigt, ist das wirklich, wirklich langweilig. Aber meine Gebete wurden erhört und der Gottesdienst fand ein Ende.
Die Begeisterung steht mir geradezu ins Gesicht geschrieben
Streng getrennt - Jungen und Mädchen

Montag, 9. Dezember 2013

Uyuni-Reise 4/4

Im Nachhinein klingt es sehr logisch: Als wir morgens im Salzhotel aufwachten, waren wir alle sehr durstig. Das 'Bad' war dauerbesetzt, die Kameras wieder geladen [zumindest die meisten] und die Vorfreude auf den Salar de Uyuni [den Salzsee] in die Gesichter aller geschrieben. Nachdem wir alles eingepackt,unsere AFS-T-Shirts angezogen [achjaaa... ich besitze jetzt ein AFS-Bolivien T-Shirt!!] und uns mit tausend Schichten Sonnenschutz eingekremt hatten ging es dann also endlich los. Wir waren so gespannt und dann tatsächlich ein bisschen enttäuscht, dass es ersteinmal in eine Höhle ging. Die Höhle hatte zwar eine wirklich interessante Steinstruktur, war aber nichts, im Vergleich zu dem, was wir später am Tag noch sehen sollten.

Dann kam es nämlich, das Highlight, auf das wir alle gewartet haben. Boliviens neue Hoffnung. Der Salar de Uyuni!

Endloses Salz

Sonntag, 8. Dezember 2013

Uyuni-Reise 3/4

Nach der atemberaubenden Sternennacht, die so eisigkalt war, dass ich selbst im Fellgefütterten Schlafsack gefroren habe, begann ein schläfriger Morgen. In der Nacht hatten wir eigentlich abgesprochen, den Sonnenaufgang zu bewundern, doch mein Wecker hatte mich vergessen oder sich entschieden den Anblick der aufgehenden Sonne nicht mit mir zu teilen. Wie auch immer, ich habe davon nichts mitbekommen und so müde wie ich war fand ich es auch gar nicht so dramatisch... bis ich die Fotos sah.
Die Laguna Colorada mit ihrem rot gefärbten Wasser
Mit weitgehend leeren Kameraakkus und entsprechend gereizten Gemütern stiegen wir wieder in unsere Autos. Der erste Stopp war an der Laguna Colorada [die rote Lagune]. Durch die vorherrschende Algenart und den hohen Mineralstoffgehalt ist das Wasser rot gefärbt. Je nach Tageszeit und Betrachtungwinkel kann das Wasser blutrot, rosé oder orange-gelb wirken. Die Färbung des Federkleides der Flamingos, die in großer Zahl in der Laguna Colorada anzutreffen sind, ist im übrigen auf diese Mineralien und Algen zurückzuführen. Soweit ich das mitbekam erklärte die ganze Gruppe die Lagune zum schönsten Ort Boliviens, aber es ging ja noch weiter.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Uyuni-Reise 2/4

Am Montagmorgen begannen zunächst die Kämpfe um die Duschen. Wer schlau war hatte sich schon für 2 Stunden früher den Wecker gestellt aber selbst das funktionierte nur teilweise. Bei über 7o Austauschschülern und einer Tagesaußentemperatur von 4o°C wird es da echt knapp. Ich griff auf altewehrte Methoden zurück - Puder und Parfüm... und natürlich Deo -, die schlussendlich effektiver waren, als auf eine nicht freiwerdende Dusche zu warten.
Irgendwo im Nirgendwo

Die Nacht über war ich mit meinen üblichen AFS-Freunden auf einem Zimmer. Die 4 Deutschen Mädels, die mit mit mir in La Paz leben und zu denen ich mehr oder weniger regen Kontakt habe. Das gefiel mir nicht unbedingt. Ich wollte diesen Austausch ja unter anderem machen, um neue Kulturen kennen zu lernen und Freunde in der ganzen Welt zu finden. Dieser Plan wurde ja schon mehr oder weniger durchkreuzt, als wir feststellten, dass fast ausschließlich Deutsche und Belgier nach Bolivien kommen; aber dass wir uns dann auch noch in die Gruppen Asiaten, Belgier, deutsche Schüler und deutsche Freiwillige aufteilen macht es noch schlimmer. Als wir dann also gebeten wurden uns in Gruppen auf die Autos aufzuteilen, die für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollten, gab ich mein bestes, von meinen üblichen Gefährten wegzukommen und mich bunt unter die Leute zu mischen. Ich hatte [zunächst] eine Gruppe mit einem Deutschen, der aber quasi am anderen Ende Boliviens wohnt, 3 Thailändern und einer Japanerin. Das war doch schonmal nicht schlecht. Mit dem Auto [einem Toyota Land Cruiser] sind wir dann ins Nirgendwo gedüst.

Samstag, 30. November 2013

Uyuni-Reise 1/4

Am Samstagabend um 2o Uhr trafen sich unsere reise- und abenteuerlustigen AFSer am Busterminal, um unser schönes Bolivien zu erkunden. Natürlich habe ich immer noch nichts aus meinem Aufenthalt hier gelernt, ansonsten wäre ich nicht pünktlich erschienen, weil [wie sollte es auch anders sein] wir sind erst um 21:3o Uhr wirklich abgefahren.
Der Sonnenaufgang scheint durch den Bus
Wir hatten einen Bus mit Semibetten, also halb Sitz, halb Bett. Der war grundsätzlich sehr gemütlich aber nicht für lange europäische Beine gedacht. Die Stunden gingen dahin, in denen wir redeten, bis uns schlussendlich doch die Müdigkeit [und vielleicht auch der Verstand] überkam und wir seelig einschliefen. Unsanft aufgeweckt wurden wir dann kurze Zeit später durch einen holprigen Halt an einer Raststätte. Raststätte definiert sich hier in Bolivien als ein kleiner Laden, mitten im Nirgendwo, der verhältnismäßig überteuerten Süßkram verkauft. Nachdem wir uns mit überlebenswichtigen Keksen eingedeckt hatten, waren wir wieder hellwach und Christin, die neben mir saß, und ich hielten uns gegenseitig wach, um den Sonnenaufgang zu bestaunen.

Samstag, 23. November 2013

Lebenszeichen

Ich erhielt gerade eine Nachricht meiner Mutter, die mit den Worten 'Du faule Socke, du' begann'. Da kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht einmal Lebenszeichen von mir geben sollte. Also:
Ich habe sehr viel Spaß, wie man sieht.

Dass ich mich solange nicht gemeldet habe, hat einen ganz einfachen Grund. Wir hatten die ganzen letzten Tage kein Internet, weil der Stecker gezogen war und wir es alle nicht gemerkt haben und stattdessen die Schuld bei der örtlichen Telefongesellschaft gesucht haben.

Freitag, 15. November 2013

Letzter Schultag

Heute hatte ich den [hoffentlich] letzten Schultag meines Lebens und jetzt geht es in die 3 Monate Ferien Phase. Bereits letzten März gab es einen Tag, der sich als 'mein letzter Schultag' ausgegeben hat. Eine gemeine Täuschung, wie es sich dann hier herausgestellt hat. Dieser könnte allerdings tatsächlich mein letzter Schultag gewesen sein. Ich habe mit AFS gesprochen und es sieht ganz so aus, als würde ich nach den Ferien eine Bolivianische Universität besuchen [ich bitte um Daumendrücken!].
Unser Versuch uns zu verewigen.
...es wird wohl überstrichen werden...

Unsere gesamte letzte Schulwoche war reichlich chaotisch! ...nicht, dass das erlaubt gewesen wäre. Wir haben uns an der Decke unseres 4,5 Meter hohen Klassenraumes verewigt. Als die Direktion das entdeckt hat, hat sie einen kleinen Wutanfall gekriegt, sucht seitdem nach jedem kleinsten weiteren Fehler, den unser Kurs machen könnte und ist über-pingelig. Um ehrlich zu sein, nicht grundlos. Sie haben den schimmelnden Klassenschrank entdeckt und auch die Kussmünder, die unsere Mädels mit Lippenstift an die Wand geküsst haben. Nach diversen Drohungen, uns alle zu suspendieren, ist es wohl zu viel gewesen, dass wir heute, entgegen der Anordnungen der Direktion, alle in Sportuniform gekommen sind. Aufgebracht stürmte der Direktor den Klassenraum und verkündete, es gäbe heute keinen Physiktest, wir müssten die Konsequenzen unseres Handelns tragen.